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Willkommen bei artpalekh.ch. Tief im Herzen Zentralrusslands, eingebettet in eine Landschaft von Birkenwäldern und endlos weiten Feldern, liegt das Malerdorf Palech. Wählt man Moskau als Ausgangspunkt für einen Besuch des Dorfes, so führt der Weg über Vladimir und Ivanovo gute 300 Kilometer in Richtung Nordosten. Mit dem Namen „Palech“ verbinden Kunstliebhaber sowohl Ikonen von feinmalerischer Exklusivität, wie auch die filigrane Malerei auf Papier-mâché – die Palecher Lackminiaturen.

Seit dem 17. Jahrhundert ist Palech ein Zentrum der Ikonenmalerei. Beeinflusst von der Tradition des Stroganovstils sowie der Fresken- und Ikonenmalerei der Städte des oberen Wolgagebietes entwickelten die besten Palecher Künstler den heute als „Palecher Manier“ bekannten Stil. Seine typischen Merkmale sind miniaturhaft fein in Pastelltönen gemalte, mit weißen Ornamenten reich verzierte Architekturkulissen und üppig gestaltete Landschaften, die neben den dargestellten Heiligen als gleichberechtigte Elemente der Komposition erscheinen.

Die Oktoberrevolution von 1917 bewirkte einen totalen Einbruch der Nachfrage an Ikonen – die Maler gerieten in eine Existenzkrise. In den frühen 1920-er Jahren versuchten sich einige ehemalige Palecher Ikonenmaler in der Lackmalerei und gründeten im Jahr 1924 die „Genossenschaft für Alte Malerei“. Sie bemalten in der Folge in Eitemperatechnik sowie mit Gold Gegenstände aus Papier-mâché, die anschliessend lackiert und poliert wurden. Tief verwurzelt in der altrussischen Tradition der Ikonenmalerei fanden diese Maler mit der ideellen und konzeptionellen Unterstützung von Kunstwissenschaftlern einen Weg, ihre künstlerischen Fähigkeiten in Feinmalerei unter den veränderten gesellschaftlichen Gegebenheiten weiterhin zu verwirklichen. Ländliche Alltagszenen, Szenen aus russischen Märchen, aus altrussischen Heldenepen und aus der russischen Geschichte, sowie politisch-ideologische Themen waren die auf den Lackarbeiten hauptsächlich dargestellten Sujets.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion vor gut zwanzig Jahren sah sich Palech mit der neuen post-sowjetischen Situation konfrontiert. Der Künstler malt seine Lackminiaturen nicht mehr unter einem für Authentizität und Qualität bürgenden „Markenzeichen“ Palech, sondern ist selbst verantwortlich für sein künstlerisches Schaffen und aufgefordert, jederzeit den sich ständig ändernden Ansprüchen eines globalen Kunstmarktes zu genügen. Zahlreiche Lackkünstler verdienen mittlerweile ihren Lebensunterhalt wie zur Zarenzeit wieder mit Sakralkunst. Sie malen oder restaurieren in den vielen neuen und alten russischen Kirchen Ikonostasen und Fresken. Für die private Andacht und für Kunstliebhaber malen sie Ikonen.

Artpalekh.ch möchte Ihnen Palech und seine Geschichte näherbringen, möchte Sie für das einzigartige Palecher Kunstschaffen begeistern. Sie erfahren über die heutige Situation des Dorfes, über seine Menschen, seine Kunstschule und seine Museen.

Artpalekh.ch wird in loser Folge über aktuelle Ereignisse berichten und in Essays auf ausgewählte Themen näher eintreten.

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Felix Waechter
Alexander Kurkin