Die Mondscheinsonate

Die Mondscheinsonate

2005, Leinwand, Kohle, Eitempera
100 × 70 cm

Das Fliessen silbrig-bläulichen Lichts, bald erstarrend, bald sich verflechtend in dynamische Strahlen, richtet sich nach unten, wobei es aus dem nächtlichen Dunkel aufblitzt, indem es bald das Blätterwerk, bald die wundervollen mythischen Blumen des nächtlichen märchenhaften Gartens versilbert, der in den anströmenden Wellen des Lichts verschwindet. Von einem luftig-leichten, leuchtenden Nebel ist eine schöne, poetische Frauengestalt umhüllt, die in somnambuler Ekstase einen sakralen, mystischen Tanz aufführt. Ihre ganze unwirkliche, durchsichtige, im Mondlicht gleichsam schwebende Gestalt blinkt vor Kleinodien. Die Falten des gleichsam aus Nebeln und Lichtstrahlen gewobenen dünnen Kleides fliessen organisch in wellenförmigen Bewegungen in eine musikalische, helle Symphonie ein. Das Augenmerk konzentriert sich auf das hell erleuchtete schöne Gesicht. Der halbgesenkte Blick, das Fehlen eines bestimmten Gesichtsausdrucks sowie das Schweigen und die Stille drücken einen Zustand völliger Entrücktheit von allem Irdischen, Gegenwärtigen aus, eine absolute Versenkung in jene innere Musik, die in ihrer Seele klingt und sich mit einem höheren, allumfassenden Tönen vereinigt.

Die bald anschwellenden, sich verstärkenden, bald erstarrenden Töne – die Rhythmen einer verzaubernden Melodie, die durch ein ausgefeiltes Arrangement (Gräser, Blätter, Blumen, Verzierungen u.a.m.) bereichert sind, tragen in sich eine  vollkommene Harmonie und die Empfindung eines höchsten Triumphs der Schönheit und der allumfassenden Liebe.

Der Klang eines schön eingespielten Orchesters (aller Kompositionselemente, ihrer Plastik, Bewegung) erzeugt eine hinreissende Musik, vergeistigt den göttlichen hellen Ursprung, indem es dem Werk Geschlossenheit, Harmonie und Makellosigkeit verleiht, ungeachtet des Fragmentarischen seiner Auflösung, des Nicht-Ausdrückens, des Fehlens einer realen Farbe.

Die eigentliche Idee dieser bildhaften Verkörperung entstand und formte sich in meinem Bewusstsein unter dem tiefen Eindruck der genialen „Mondscheinsonate“ von Beethoven in der Interpretation von S. T. Richter, meinem grossen Lieblingsmusiker des 20. Jahrhunderts.