Triumph des Lichts

Triumph des Lichts

Schmuckplatte, 1981
55 × 40 cm

„ … Der konkrete Bildaufbau entstand aus meiner Vorstellung des Bildes der Nacht mit einer Kerze in der Hand, die ihr Gesicht beleuchtet. Die Nacht ist eine riesige Macht, eine stolze Zarin, unbeugsam. Neben ihr zwei Wächter, aus irgendeinem Grund auf Pferden. Vielleicht weil Assoziationen mit dem Kaukasus, mit dem Osten, mit der Poesie von Lermontov u.a. aufgekommen sind. Die Pferde sind monumental, es blitzen die Schwerter, die Helme östlichen Typs mit Federbüschen und Kämmen. Aufmerksame Gesichter, gespannte Körper. Die Pferde, ihre Schnauzen, darin ebenfalls etwas Asiatisches. Vielleicht weil Vieles aus Asien nach Russland gekommen ist und weil die Nacht aus dem Osten kommt, wie auch das Licht. Darin ist auch etwas Nächtliches. Insgesamt ein Gefühl von Kühle, Tau, gespenstischem Licht. Die Wächter bilden zusammen mit der Nacht ein Ganzes, sie halten den Schleier der Nacht, darüber die Sterne usw. Dies alles ist symbolisch und konventionell. Aber hinter dem dunkeln Schleier der Kuppel dämmert das Licht, die ersten Strahlen. Bei mir gibt es zwei Dämmerungen, eine morgendliche und eine abendliche. Die ersten Strahlen, die fliessenden Bewegungen, die Figuren der Dämmerungen werden fragmentarisch gezeigt, die Hände, die Arme richten die Haare. Die Bewegungen sind harmonisch. Ich beobachtete im Winter, wie die Morgendämmerung beginnt. Die Dämmerungen sind lyrisch, feierlich, eine leise Melodie. Die Ouvertüre dessen, was sein wird. Und hier sind auf beiden Seiten zwei Krieger, die angespannt sind, wie in der Schlacht, aber es gibt keine Schlacht, es ist der klare, unerbittliche Lauf der Zeit, der kosmische Rhythmus und das kosmische Gesetz. Es gibt eine Symmetrie, aber sie ist nicht mechanisch, nicht vollständig. Tag und Nacht sind niemandem untergeben, ein endloser Wechsel des einen und des anderen, des Tages und der Nacht, des Dunkeln und des Hellen. Der Lauf der Zeit. Fusssoldaten.

Und darüber der Tag. Kampf. Die Boten des Tages auf hellen Pferden, symbolisch, sie stossen ins Horn, verkünden den Anbruch des Tages. Die Pferde sind einem Nebel entstiegen, sie sind grünlich, die Reiter sind jung, gelockt, eine neue Generation, eine junge Kraft. Hinter diesen Boten ist die Figur des jungen, unbestimmten Tages, die Reiter grüssen mit ausgebreiteten Armen die ganze Welt. Der Tag ist in ein weisses Hemd gekleidet, er symbolisiert Wahrheit, Edelmut, Gerechtigkeit, das Licht an sich. Ein einfaches Gesicht, ohne jegliche aus-geprägte Züge, nicht Zar, nicht irgendjemand anderes, ein schlichtes Gesicht. Von hinten die Strahlen des zurückgeschlagenen Mantels. Die strenge Haltung der Nacht ist ein Symbol. Durch dem Schleier hindurch ist wenig zu sehen, das Übrige ist verborgen. Der Rhythmus der Bewegungen ist streng, majestätisch, überzeugt davon, dass die Nacht zurückkehrt, wie auch der Tag … Es wird deutlich: die Komposition muss vertikal sein. Die horizontale Komposition ist erzählend. Die Ellipse verleiht Spannung, Dynamik …“

V. T. Kotov